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Raum wirkt. Wissen, Tipps und Trends für moderne Arbeitsplatzgestaltung

Was Räume mit Unternehmenskultur zu tun haben? Ziemlich viel.
In meinem Blog zeige ich, wie gut gestaltete Arbeitsumgebungen nicht nur schöner, sondern auch funktionaler, wertschätzender und erfolgreicher werden.
Ich teile Erfahrungen aus über 20 Jahren Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen – mit vielen konkreten Beispielen, ehrlichen Einblicken und umsetzbaren Ideen.

Ob Du gerade erst anfängst, Dein Büro zu überdenken oder bereits mitten im Wandel steckst – hier findest Du Inspiration, die in der Praxis funktioniert.
Für mehr Klarheit, mehr Motivation und mehr Wirkung – im Raum und im Team.

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Ein Glücksforscher rät: lieber Klavier spielen als fernsehen. Du entscheidest.

Ein Glücksforscher rät: lieber Klavier spielen als fernsehen. Du entscheidest.

Der größte Gegenstand im Wohnzimmer? In der Regel nicht das Klavier...

"Heute messen wir kurz aus, wie viel Platz der Fernseher in einem typischen Wohnzimmer bekommt, und vergleichen das mit dem Platz, der für all die schönen Vorhaben übrig bleibt. Wir rechnen nach, wie viel von unserem Tag wir überhaupt bewusst entscheiden, und stoßen auf eine ernüchternde Zahl. Wir hören kurz einem Glücksforscher zu, der allen Ernstes empfiehlt, statt fernzusehen lieber Klavier zu spielen. Und am Ende weißt Du, warum so mancher Abend einfach weg ist, ohne dass etwas davon hängen geblieben wäre."

Ich komme beruflich in viele private Wohnungen, und seit Jahren sehe ich dabei immer wieder dasselbe Bild. Im Wohnzimmer steht ein sehr großer Fernseher, das größte einzelne Element im ganzen Raum, davor eine ausladende Sofalandschaft, und das ganze Zimmer ist mit einer großen Selbstverständlichkeit darauf ausgerichtet, dass man sich abends hinsetzt und auf diesen Bildschirm schaut.

Die meisten Menschen nehmen das als gegeben hin, so als müsse ein Wohnzimmer einfach so aussehen, und ich will das auch niemandem madig machen. Was mich aber als Innenarchitektin beschäftigt, und ehrlich gesagt genauso als Mensch, der sich für solche Zusammenhänge interessiert, ist die Frage, was diese Art zu wohnen mit unseren Abenden macht, wenn sie sich über Jahre Abend für Abend wiederholt.

Denn das Eigenartige ist, dass viele durchaus ein Gefühl dafür haben, dass etwas nicht ganz stimmt. Sie haben ein schönes Sofa, einen großen Fernseher, alle Streamingdienste, und trotzdem bleibt am Ende dieser Eindruck, dass der Abend irgendwie weg ist, dass das Wochenende weg ist, dass die Zeit zwar vergangen ist, aber kaum etwas hinterlassen hat. Woran das liegt, sehen die wenigsten, und genau da fängt für mich die interessante Frage an, weil ein guter Teil der Antwort in der Einrichtung steckt.

43 Prozent von dem, was wir tun, ist Gewohnheit

Mich hat schon immer interessiert, wie stark die Umgebung bestimmt, was wir tun, und wie wenig davon eigentlich eine bewusste Entscheidung ist. Die amerikanische Psychologin Wendy Wood hat über Jahrzehnte genau daran geforscht und kommt zu dem Ergebnis, dass ungefähr 43 Prozent von dem, was wir Tag für Tag tun, reine Gewohnheit ist, abgespult am selben Ort und zur selben Zeit, während wir gedanklich längst woanders sind.

Und sie beschreibt etwas, das ich aus meiner Arbeit sofort wiedererkenne. Wir glauben nämlich, uns fehle die Disziplin, um abends einmal etwas anderes zu tun, dabei entscheidet in Wirklichkeit die Umgebung viel mehr als unser guter Wille. Was leicht erreichbar ist, das tun wir, und was uns ein paar Handgriffe mehr abverlangt, das bleibt liegen. Wood nennt das Reibung, und wenn ich durch die Wohnungen meiner Kundinnen und Kunden gehe, sehe ich diese Reibung überall.

Wir haben es ein Stück weit zurückgedrängt

Und hier kommt etwas dazu, das mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist. Wir haben es, ich will nicht sagen verlernt, aber wir haben es ein Stück weit zurückgedrängt, unsere freie Zeit mit etwas anderem zu füllen als mit dem Bildschirm. Die vielen Stunden mit Social Media, das ständige Scrollen, die abendliche Serie, all das hat sich so selbstverständlich in unsere Wohnzimmer geschoben, dass für vieles andere kaum noch Platz bleibt, weder im Tag noch im Raum.

Erholung ist etwas anderes als das, was wir dafür halten

Dass uns dabei etwas verloren geht, ist keine bloße Vermutung. Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi, einer der Begründer der Glücksforschung, hat über Jahre tausende Menschen im Alltag danach befragt, wann sie sich eigentlich lebendig und zufrieden fühlen, und das Ergebnis hat ihn selbst überrascht, weil es so gar nicht zu dem passt, was wir uns üblicherweise unter Erholung vorstellen.

Diese erfülltesten Stunden lagen kaum jemals vor dem Fernseher, sie lagen vielmehr dort, wo Menschen etwas taten, das sie ein wenig forderte, ein Instrument, eine handwerkliche Arbeit, irgendetwas Neues, das gerade eben noch zu schaffen war. Die passive Freizeit dagegen, das viele Sitzen und Schauen, hinterließ bei vielen eine milde Leere, die er ziemlich unverblümt als Apathie bezeichnet hat.

Sein Rat klingt altmodisch, und ich mag ihn gerade deshalb: Statt fernzusehen, spiel lieber Klavier. Was zunächst nach Anstrengung klingt, ist in Wahrheit das Gegenteil, weil so ein Abend einen nicht müder zurücklässt und am nächsten Morgen als einer der wenigen hängen bleibt, an die man sich überhaupt noch erinnert.

Was ich damit zu tun habe

Und damit bin ich wieder bei dem, was ich eigentlich tue. Wenn die erfüllenden Abende die sind, an denen wir aktiv werden, dann hängt erstaunlich viel davon ab, ob das in der eigenen Wohnung leicht geht oder Mühe kostet, und an dieser Stelle bin ich gefragt, lange bevor es um Farben oder um schöne Möbel geht. Denn in den meisten Wohnungen, die ich sehe, ist alles, was mit dem Bildschirm zu tun hat, bestens erreichbar eingerichtet, der Fernseher steht vorne, auf Augenhöhe, fertig verkabelt, während das, was uns guttun würde, irgendwo am Rand gelandet ist, im kühlsten Zimmer, im Keller, in einer Schublade, die man erst ausräumen muss, bevor man überhaupt anfangen kann.

Das hat niemand bewusst so entschieden, es hat sich über die Jahre einfach so ergeben, und trotzdem ist das Ergebnis ziemlich eindeutig, weil in einer so eingerichteten Wohnung das Konsumieren leicht fällt und alles andere zu einer kleinen Überwindung wird.

Mir geht es dabei um etwas, das größer ist als Einrichtung, auch wenn ich es ganz konkret an der Einrichtung festmachen kann. Wir haben unsere Wohnungen über die Jahre sehr stark auf Rückzug und auf Konsum hin eingerichtet, und für alles, was uns lebendig macht, ist dabei wenig Platz geblieben. Den größten Platz im Wohnzimmer könnte auch etwas anderes bekommen als der Fernseher, und das Sofa könnte ruhig etwas kleiner ausfallen, und sobald man daran auch nur ein wenig rückt, verschiebt sich nach und nach auch, womit man seine Abende verbringt.

Genau darin sehe ich heute meine Aufgabe, die Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass Menschen sich auf ihr Zuhause wieder freuen und darin wieder zu sich kommen, und ich bin überzeugt, dass das gerade jetzt mehr wert ist als noch vor zehn Jahren.

Womit das im Einzelnen anfängt, mit welchem Zimmer, mit welcher kleinen Veränderung, darum soll es in den nächsten Folgen gehen.

Persönlichkeit braucht Raum.

Kurz zusammengefasst

  • Ein großer Teil unseres Alltags läuft als reine Gewohnheit ab, und die Umgebung entscheidet darüber stärker mit als unser guter Wille.

  • Erfüllend wird Freizeit eher dort, wo wir aktiv werden und uns etwas zutrauen, als beim passiven Schauen.

  • In vielen Wohnungen ist alles rund um den Bildschirm bestens erreichbar und alles andere an den Rand gerückt. Das prägt, womit wir unsere Abende verbringen.

  • Wer den größten Platz im Wohnzimmer ein wenig anders verteilt, verändert mit der Zeit auch, was er abends tut.

Häufige Fragen

Wie verändere ich meine Abende, ohne gleich umzubauen?

Schau, was Dir leicht gemacht wird und was Mühe kostet. Stell das, was Du eigentlich tun möchtest, in Reichweite, und gib dem Bildschirm etwas weniger Raum. Schon kleine Verschiebungen ändern mit der Zeit, womit Du Deine Zeit verbringst.

Viele Grüße
Kerstin

Quellenangaben:

Wendy Wood, „Good Habits, Bad Habits" (2019), rund 43 Prozent des täglichen Verhaltens.

https://www.youtube.com/watch?v=RRcJhyJGR08

https://bethe.one/de/alles-ist-verbunden

Mihaly Csikszentmihalyi, „Finding Flow" (1997), zu aktiver gegenüber passiver Freizeit.

https://www.youtube.com/watch?v=DXD8QjpQrFc


DIE AUTORIN

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Kerstin Bethan

Seit über 20 Jahren gestalte ich Arbeitswelten, die mehr sind als nur funktional. Mein Fokus liegt auf Räumen, die Haltung zeigen – Orte, an denen Unternehmenskultur sichtbar wird und Werte erlebbar sind. Mit einem sicheren Gespür für Design und einem tiefen Verständnis für unternehmerische Dynamiken entwickle ich Konzepte, die nicht nur gut aussehen, sondern wirklich etwas bewirken – für Teams, Marken und Menschen.

Du hast einen Raum, der noch nicht stimmt? Lass uns gemeinsam draufschauen.

© 2024 Kerstin Bethan Interior