BLOG
Raum wirkt. Wissen, Tipps und Trends für moderne Arbeitsplatzgestaltung
Was Räume mit Unternehmenskultur zu tun haben? Ziemlich viel.
In meinem Blog zeige ich, wie gut gestaltete Arbeitsumgebungen nicht nur schöner, sondern auch funktionaler, wertschätzender und erfolgreicher werden.
Ich teile Erfahrungen aus über 20 Jahren Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen – mit vielen konkreten Beispielen, ehrlichen Einblicken und umsetzbaren Ideen.
Ob Du gerade erst anfängst, Dein Büro zu überdenken oder bereits mitten im Wandel steckst – hier findest Du Inspiration, die in der Praxis funktioniert.
Für mehr Klarheit, mehr Motivation und mehr Wirkung – im Raum und im Team.

Neueste Blog-Einträge
"Heute öffnen wir die Tür zu einem Raum, der Workshopraum heißt, und finden einen massiven Konferenztisch, an dem garantiert niemand workshoppt. Wir schauen, warum ein einziger massiver Tisch eine Zusammenarbeit ausbremsen kann, die eigentlich alle wollen. Wir hören kurz, was die Forschung über Sitzen, Bewegung und gute Ideen sagt. Und am Ende weißt Du, woran Du erkennst, dass Dein Büro die Zusammenarbeit behindert, die es eigentlich will."
Man nennt ihn Workshopraum. Das klingt nach Aufbruch, nach flirrenden Gedanken, nach Ideen, die hin und her gehen. Man öffnet die Tür und sieht: einen massiven Konferenztisch, zwölf schwere Freischwinger, einen fest installierten Bildschirm an der Kopfseite.
In diesem Moment ist der Workshop gelaufen, bevor das erste Wort gefallen ist.
Der Raum zeigt ein Paradoxon, das ich in vielen Unternehmen sehe. Man möchte agiler werden, hierarchiefreier führen, die Kultur öffnen. Und dann lässt man die Menschen in Strukturen sitzen, die das Gegenteil erzwingen. Der massive Tisch zementiert die Sitzordnung. Er lässt keinen Spielraum für Bewegung und keinen Platz für den schnellen Wechsel der Perspektive. Man bleibt auf seinem Stuhl, man hört zu, man wartet ab.
Das Türschild sagt das eine, die Einrichtung das andere. Ein Raum heißt Workshopraum, und in der Mitte steht trotzdem ein Tisch, der nur eine Haltung zulässt: sitzen, zuhören, abwarten. Ein Name ändert daran nichts. Eine Collaboration Area wird nicht durch zwei bunte Sessel in der Flurecke zum Ort der Zusammenarbeit. Das sind alles Namen, die gut klingen. Wenn aber im Raum nicht stattfindet, was sein Name verspricht, ist das Schild an der Tür reines Marketing.
Dass das kein bloßes Gefühl ist, zeigt die Forschung. Die Stanford-Wissenschaftler Marily Oppezzo und Daniel Schwartz haben gemessen, dass Menschen in Bewegung deutlich mehr neue Ideen entwickeln als im Sitzen, in ihren Versuchen im Schnitt rund sechzig Prozent mehr. Dieser Schub gilt gerade für das freie, suchende Denken, also für genau das, was ein Workshop braucht. Ein Raum, der alle auf schwere Stühle an einen festen Tisch bindet, arbeitet damit gegen seine eigene Aufgabe.
Wenn die Orte nicht zu den Aufgaben passen, beginnt die Improvisation. Vertrauliche Gespräche wandern auf den Flur. Konzentrierte Arbeit geht im Telefonat des Nachbarn unter. Projektmaterial muss nach jedem Termin mühsam abgebaut werden, weil der Tisch für den nächsten Gast neutral aussehen soll. Das Ergebnis ist eine zähe Zusammenarbeit, die man gern der Kultur zuschreibt. Dabei fehlt schlicht die richtige Bühne.
Nach 30 Jahren in der Gestaltung von Räumen weiß ich, dass ein gutes Büro lange vor dem ersten Stuhlmodell beginnt, bei der Frage, was darin eigentlich passieren soll. Daher frage ich nie zuerst nach Möbeln. Ich schaue dorthin, wo improvisiert wird. Ich suche die leeren Lounges und die überbuchten Besprechungszimmer. Dort liegen die Hinweise auf das, was wirklich fehlt: Ruhe, Schutz oder die Erlaubnis, den Raum in Besitz zu nehmen.
Ein Raum für Kreativität braucht nutzbare Wände, Bewegungsfreiheit und eine Atmosphäre, die das Unfertige zulässt. Ein Büro kann sich inspirieren lassen, aber es sollte nicht so tun, als wäre es jemand anderes. Ein Familienunternehmen braucht andere Räume als ein Tech-Start-up.
Die Zukunft der Arbeit zeigt sich an den Orten, an denen Menschen jeden Tag handeln, sprechen und entscheiden. Wenn Du wissen willst, ob Dein Büro dazu passt, schau auf die Stellen, an denen ständig improvisiert wird. Dort beginnt die eigentliche Arbeit.
Persönlichkeit braucht Raum.
Ein Raum, der Workshopraum heißt, aber von einem massiven Tisch beherrscht wird, verhindert genau die Bewegung, die ein Workshop braucht.
Der Grundriss zeigt, ob Begegnung, Rückzug und konzentriertes Arbeiten wirklich gewollt sind, ganz gleich, was auf dem Türschild steht.
Wo die Orte nicht zu den Aufgaben passen, beginnt die Improvisation, und die zähe Zusammenarbeit, die daraus folgt, schiebt man fälschlich der Kultur zu.
Ein gutes Büro beginnt bei der Frage, was darin passieren soll, und erst danach bei den Möbeln.
Warum laufen unsere Workshops und Meetings zäh, obwohl wir einen eigenen Raum dafür haben?
In vielen Fällen liegt es am Raum selbst. Ein massiver Konferenztisch hält alle auf ihren Stühlen und in fester Sitzordnung, und Bewegung, Perspektivwechsel und das schnelle Festhalten von Ideen werden dadurch schwer. Nutzbare Wände, Platz zum Aufstehen und die Erlaubnis, den Raum in Besitz zu nehmen, ändern das spürbar.
Viele Grüße
Kerstin
Quellenangaben:
Marily Oppezzo und Daniel Schwartz, Stanford University: „Give Your Ideas Some Legs. The Positive Effect of Walking on Creative Thinking", Journal of Experimental Psychology (2014). Befund: Bewegung steigert das freie Ideenfinden gegenüber dem Sitzen, in den Versuchen um rund 60 Prozent.
https://aaalab.stanford.edu/assets/papers/2014/Give_your_ideas_some_legs.pdf
DIE AUTORIN

Kerstin Bethan
Seit über 20 Jahren gestalte ich Arbeitswelten, die mehr sind als nur funktional. Mein Fokus liegt auf Räumen, die Haltung zeigen – Orte, an denen Unternehmenskultur sichtbar wird und Werte erlebbar sind. Mit einem sicheren Gespür für Design und einem tiefen Verständnis für unternehmerische Dynamiken entwickle ich Konzepte, die nicht nur gut aussehen, sondern wirklich etwas bewirken – für Teams, Marken und Menschen.
WEITERE BLOGARTIKEL
Ready to go? Du brauchst mehr Inspiration? Lass uns reden...