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Raum wirkt. Über das Büro, das Zuhause und das, was Räume mit uns machen.

Räume verändern, wie wir denken, arbeiten und leben, weit mehr, als den meisten bewusst ist. 

Es gibt mehr Inspiration zum Wohnen und Arbeiten als je zuvor, und immer weniger Orientierung. Genau die findest Du hier.

In diesem Blog geht es um beides, um das Büro und um das Zuhause, und um die Frage, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen. Mit konkreten Beispielen, ehrlichen Einblicken und Ideen, die in der Praxis funktionieren, statt mit der nächsten Trendliste.

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Neueste Blog-Einträge

Vierundzwanzig Sorten Marmelade machen die Wahl nicht leichter. Beim Wohnen ist es genauso.

Vierundzwanzig Sorten Marmelade machen die Wahl nicht leichter. Beim Wohnen ist es genauso.

Bisher ging es hier um Büros. Jetzt kommt das Zuhause dazu.

"Heute erzähle ich Dir, warum in diesem Blog bisher vor allem von Büros die Rede war und was sich daran gerade ändert. Wir besuchen ein frisch eingerichtetes Wohnzimmer, in dem sich zwei Menschen fremd fühlen, obwohl darin alles stimmt. Wir machen einen kurzen Abstecher zu einem Experiment mit vierundzwanzig Sorten Marmelade. Und am Ende weißt Du, was ich meine, wenn ich sage, dass mehr Inspiration noch lange kein Zuhause ergibt."

Es gibt mehr Wohninspiration als je zuvor und immer weniger Orientierung. Seit einer ganzen Weile fragen mich Freundinnen, Bekannte und ehemalige Kundinnen immer wieder, warum ich eigentlich nicht öfter über das Wohnen schreibe. Über das, was ich in Gesprächen ständig erzähle, über die kleinen Dinge, die in einer Wohnung den Unterschied machen, über all das, was ich seit dreißig Jahren tue. Ich habe das lange mit einem Schulterzucken beantwortet, weil dieser Blog bis jetzt eine ziemlich klare Richtung hatte.

Hier ging es bisher vor allem um Büros und Arbeitswelten, um die Frage, wie Räume das Arbeiten leichter oder schwerer machen, und das wird auch so bleiben, weil mir dieser Teil meiner Arbeit viel bedeutet. Aber ich gestalte seit jeher genauso für Familien, für Paare, für Menschen, deren Zuhause nicht mehr zu ihrem Leben passt, und dieser Teil kam hier bisher kaum vor. Das ändere ich jetzt.

Vor einiger Zeit hat mich ein Ehepaar um Rat gebeten, das sein Wohnzimmer gerade frisch eingerichtet hatte, mit gutem Budget, sorgfältig ausgesucht, monatelang geplant. Und trotzdem stimmte etwas nicht, die beiden fühlten sich in ihrem eigenen Wohnzimmer fremd, so als säßen sie in einem Showroom. Als ich vorbeikam, habe ich ziemlich schnell gesehen, woran es lag. Sie hatten sich an Bildern orientiert, die mit ihrem eigenen Leben wenig zu tun hatten, das Sofa war zu groß für die Art, wie sie wirklich saßen, die Beleuchtung war repräsentativ und im Alltag wenig brauchbar, und die Farben, die auf Pinterest so überzeugend gewirkt hatten, schluckten in diesem Raum das Tageslicht.

Jedes einzelne Stück war für sich genommen eine gute Wahl. Zusammen ergaben sie ein Wohnzimmer, das zu niemandem so recht passte, am wenigsten zu den beiden Menschen, die darin wohnten.

Mehr Inspiration als je zuvor, weniger Orientierung

So etwas erlebe ich nicht zum ersten Mal, im Gegenteil, es kommt immer wieder vor, und ich glaube, es hängt mit etwas zusammen, das sich in den letzten Jahren stark verändert hat. Früher wussten viele Menschen eher zu wenig darüber, was in einem Raum überhaupt möglich ist, welche Materialien es gibt, welche Farben wirken, welche Proportionen funktionieren. Heute ist es umgekehrt, die Inspiration ist grenzenlos geworden, Pinterest liefert jeden Tag neue Räume, Instagram zeigt, wie andere wohnen, und für jede Idee gibt es tausend schönere gleich daneben.

Dass uns das nicht unbedingt weiterhilft, zeigt ein altes Experiment aus der Psychologie. Die Forscher Sheena Iyengar und Mark Lepper haben in einem Supermarkt einmal vierundzwanzig Sorten Marmelade zum Probieren aufgebaut und ein anderes Mal nur sechs. Der große Stand zog mehr Neugierige an, gekauft aber haben am Ende deutlich mehr Menschen am kleinen Stand, weil sich vor lauter Auswahl kaum jemand entscheiden konnte. Genau das passiert beim Wohnen. Wer jeden Tag hundert perfekte Räume sieht, weiß am Ende immer schlechter, was eigentlich zu ihm selbst passt.

Was dreißig Jahre einem beibringen

Ich bin in dieser Zeit durch viele Wohnungen gegangen, in denen auf dem Papier alles richtig war, gute Proportionen, stimmige Materialien, durchdachte Farben, und in denen ich trotzdem gewusst habe, dass der Raum nicht funktioniert. Der Grund war eigentlich immer derselbe, der Raum war an den Menschen vorbeigeplant, die in ihm leben, an ihren Gewohnheiten, an ihrem Alltag, an dem, was ihnen guttut und was sie überfordert. Mein Handwerk besteht zu einem großen Teil darin, genau das zu erkennen, lange bevor das erste Möbelstück gekauft ist.

Worüber ich hier von jetzt an schreibe

Ich werde hier weiter über Büros schreiben, aber eben auch über das Zuhause, und zwar so, wie ich auch im Gespräch darüber rede. Ich kann erklären, warum ein Raum nicht funktioniert, obwohl er schön aussieht. Ich kann zeigen, was Familienräume wirklich brauchen, und Perfektion gehört kaum dazu, wichtiger sind Materialien, die etwas aushalten, eine klare Logik für den Alltag und ein bisschen Wärme. Und ich kann dabei helfen, aus tausend Inspirationen das herauszufiltern, was zu einem bestimmten Menschen und einem bestimmten Leben gehört.

Im Grunde geht es mir immer um dasselbe, ob im Büro oder im Wohnzimmer. Es gibt heute mehr schöne Räume zu sehen als je zuvor, und genau deshalb liegt die eigentliche Hilfe woanders, nämlich in Orientierung. Mich interessiert weniger, wie ein Raum aussehen soll, und mehr, wie Du eigentlich leben willst und wo in Deiner Wohnung dafür Platz ist.

Genau darüber möchte ich hier von jetzt an schreiben, neben dem Büro, und manchmal wird sich beides berühren. Womit ich anfange und welche Räume ich mir zuerst vornehme, das siehst Du in den nächsten Beiträgen.

Persönlichkeit braucht Raum.

Kurz zusammengefasst

  • Es gibt heute mehr bunte Inspiration als je zuvor. Und genau das macht es schwer, seinen eigenen Stil zu finden.

  • Wer sich nur an Bildern orientiert, richtet am Ende einen Raum ein, der zu jemand anderem passt.

  • Ein stimmiges Zuhause entsteht, wenn die Einrichtung zu den Gewohnheiten und zum Alltag der Menschen passt, die darin leben.

  • Meine Arbeit beginnt deshalb lange, bevor irgendwelche Möbel ausgesucht werden, nämlich bei der Frage, wie Du eigentlich leben willst.

Häufige Fragen

Was bringt mir eine Innenarchitektin, wenn es online so viel Inspiration gibt?

Orientierung. Ich filtere aus allen Möglichkeiten das heraus, was zu einem bestimmten Menschen und seinem Leben gehört.

Viele Grüße
Kerstin

Quellenangaben:

Sheena Iyengar und Mark Lepper, „When Choice is Demotivating" (2000), das Marmeladen-Experiment.

https://faculty.washington.edu/jdb/345/345%20Articles/Iyengar%20%26%20Lepper%20(2000).pdf

Barry Schwartz, „The Paradox of Choice" (2004).

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Paradox_of_Choice


DIE AUTORIN

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Seit dreißig Jahren gestalte ich als Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur Räume, in denen Menschen gern arbeiten und gern leben. Ob Büro oder Zuhause, ich gehe dabei immer von den Menschen aus, die den Raum nutzen, und frage zuerst, wie jemand wirklich lebt und arbeitet, lange bevor es um Material, Farbe oder Möbel geht.

 

Mein Schwerpunkt liegt auf Arbeits- und Lebensräumen mit Charakter. Büros, in denen man gern und gut arbeitet, und ein Zuhause, das zum Leben der Menschen passt, die darin wohnen, und ihre Persönlichkeit widerspiegelt.

 

Aus den Anforderungen eines Raums, aus Materialien, Farben und der Art, wie Menschen ihn nutzen wollen, entwickle ich Konzepte, die genau passen, zu einem Unternehmen, zu einer Familie, zu einem bestimmten Menschen und dem, was ihm wichtig ist.

 

Ein Raum entscheidet jeden Tag mit, wie wir uns fühlen und was uns gelingt. Genau dort setze ich an.

 

Persönlichkeit braucht Raum.

Du hast einen Raum, der noch nicht stimmt? Lass uns gemeinsam draufschauen.

© 2026 Kerstin Bethan Interior